Kamen wenige Tage nach dem Anschlag noch um die 2.000 Personen zu einer antifaschistischen Demonstration in Düsseldorf zusammen, geriet das Ereignis bis zur Festnahme von Ralf S. Anfang 2017 und dem Prozessauftakt größtenteils in Vergessenheit. Antifaschistische Gruppen organisierten 2018 eine Gedenkkundgebung, die erste offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Düsseldorf fand 2020 statt. Erst jetzt wurden eine Gedenktafel und ein Erinnerungszeichen am Anschlagsort eingeweiht, nachdem diese von den Nebenklagevertreter*innen der Betroffenen vehement eingefordert worden waren. Bei der Gedenkfeier kritisierte eine Betroffene die Behörden ebenso wie die Politik für die ausgebliebene Aufklärung, Wahrnehmung und Entschädigung. Sie sandte „bittere Grüße“ an die Verantwortlichen.

Etwa 250 Personen gedachten am 29. Juli 2025, dem 25. Jahrestag des Wehrhahn-Anschlags, den Opfern und mahnten vor aktuellem Antisemitismus und Rassismus. Es sprachen unter anderem Dr. Wladislaw Korenblum von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Katja Kuklinski von sabra NRW. Eindrücke des Gedenktages und Stimmen der einiger Unterstützer*innen finden Sie hier.
Erinnern und Vergessen sind zwei Elemente, die wie Gegensätze sich zu widersprechen scheinen und doch sehr nah beieinander liegen. Beide sind Elemente von Erinnerungskultur, die in ihrer Dichotomie unzählige Geschichten und Erfahrungen verbindet. In den Kämpfen migrantisch situierter Selbstorganisationen und antifaschistischer Initiativen nach rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt bildet das Erinnern und Vergessen den roten Faden der Kontinuität. Wie eine Gratwanderung ist diese Linie zwischen Erinnern und Vergessen seit 1945 und bis heute ein Spiegel des gesellschaftlichen Zusammenhalts.



Mit freundlicher Unterstützung des Zweck e.V.